Unbaked.Collective

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roh , unfertig , knetbar

Unbaked Collective steht für Physical Theatre, Tanz, Tanztheater. Für Schweiß auf der Bühne, Gel in den Haaren und Blätter, die nicht vor den Mund genommen werden.

Gegründet 2022, besteht das Kollektiv aus den Tänzerinnen und Choreografinnen Laura Louise van Meurs und Viviane Hamm sowie dem Schlagzeuger und Musikproduzenten Daniel Ismaili. Die drei Künstler:innen lernten sich an der Folkwang Universität der Künste in Essen kennen und arbeiten seitdem in einem non-hierarchischen Format. Die Regie rotiert während der Produktion, und choreografisches Material entsteht in einem task-basierten Prozess. Dabei verschmelzen Tanz und Musik zu einer Einheit: Mal beeinflusst der Sound die Bewegungen, mal bestimmt die Choreografie den musikalischen Fluss.


Projekte und künstlerische Handschrift

Ihre erste gemeinsame Arbeit, „On Top of the Cake“, entstand 2022 im Rahmen des Auf-Geht’s-Stipendiums. Das Physical-Theatre-Kurzstück beleuchtet Macht und ihren Missbrauch auf eine fesselnde, subtile Weise. Zwei männlich gelesene Körper tanzen voller Selbstbewusstsein, Arroganz und Präzision über die Bühne, während sie dem Publikum etwas verheimlichen – und damit durchkommen. Die Musik von Daniel Ismaili, die zwischen treibenden Schlagzeugsoli, sanftem Glockenklang und bedrohlichen Bässen changiert, verstärkt die Spannung.

"Ich freue mich so sehr, dass wir alle hier sind, auch wenn es mich nicht überrascht. Ich möchte ja auch ein Vorbild sein. Für das Schaffen, für Disziplin, für das Erreichen von dem, was außer Reichweite liegt."

Nach einem weiteren Kurzstück, „Inbetween Cakes“ (2024), entstand die Idee für die abendfüllende Produktion „Herdengeflüster“, die in Zusammenarbeit mit dem Theater im Ballsaal Bonn und West-Off 2024 realisiert wurde. Das Stück thematisiert das Aufwachsen von Mädchen in einer hypersexualisierten Realität und hinterfragt humorvoll und ehrlich den Zusammenhang zwischen weiblich sozialisierter Erziehung und dem tiefen Bedürfnis, zu gefallen.

Das Bühnenbild von Dilara Göksügür erinnert mit seinen cleanen, minimalistischen Elementen an Orte der Kindheit und Jugend: Sporthallen, öffentliche Plätze, geprägt von kaltem Neonlicht und grauen Noppenböden. In dieser Umgebung treffen die Tänzerinnen auf Erinnerungen an Scham, Wut und Unbehagen – aber auch an Freundschaften, die sie geprägt haben. Die Musik von Daniel Ismaili verbindet experimentelle elektronische Klänge, schwebende Soundlandschaften und die Stimmen eines Mädchenchors, die nostalgische Bilder von Kindheit und Erwachsenwerden evozieren.

"Wenn Sei sich an unangenehme Angewohnheiten aus Ihrer eigenen Kindheit erinnert gefühlt oder Fremdscham empfunden haben, dann war das natürlich unsere Absicht, aber tut uns trotzdem leid."


Über die Bühne hinaus

Unbaked Collective sprengt Grenzen: Im Rahmen ihrer ersten Produktion führten sie ein Editorial-Shooting zum Thema Frauen und Macht mit Fotograf Constantin Grolig durch (Veröffentlichung 2024). Mit den Filmemacherinnen Clara Keilbach und Laura Rukavina entstand der musikalische Kurzfilm „Allegro Non Molto“, in dem sich zwei Frauen beim Schachspielen duellieren – eine Metapher für Strategien und Machtspiele.

Das Kollektiv war auf zahlreichen Festivals deutschlandweit vertreten, darunter das SoloDuo Festival, das Physical Fetz Festival (NRW), das Winterwerft Festival (Frankfurt) und das ARENA Festival (Erlangen). 2024 erhielten sie eine Forschungsresidenz im Barnes Crossing Köln und zeigten erste Einblicke in ihre Arbeit zu „Herdengeflüster“.


Zukunftspläne 

2025 wurde Unbaked Collective zu einer Residenz im Quartier am Hafen in Köln eingeladen. Dort möchten sie ein neues Stück entwickeln und ihre künstlerische Arbeit weiter vertiefen.

“Und da sitzen wir jetzt, ich packe die letzte Milchmaus aus und wir teilen sie."

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Mitglieder
In weiteren Rollen:
Musik und Producing: Daniel Ismaili // Bühnen- und Kostümbild: Dilara Göksügür // Produktionsassistenz: Marina Büns